#griefsoundtrack. must be a way

"Must be a way, the blues are so black / And my heart an empty shape / That I can't recognize before my eyes"

Hier gefunden und dazu gleich ein Statement der Sängerin zum Song; ein Lied über Depressionen und deren Macht die eigene Sicht auf die Wirklichkeit zu verändern.

For "Must Be A Way," I imagined what the physical manifestation of depression might look like if it took on the form of a geographical space. I finished the song in Marfa, Texas, a place I truly and joyously love, but the sense of sparseness and isolation I found while further exploring the West Texas desert seemed to apply. Like some sort of damaging mirage, depression bends the lines of reality and leaves you in a fight to discern what's real and what's only an illusion.

Ein Album ist auf dem Weg. das entstanden ist mit einem leeren und gleichzeitig vollen Herz, wenn die eigene Mutter stirbt und zeitgleich Liebe mit einer neuen Beziehung ins Leben kommt. Das leere und gleichzeitig volle Herz das können wir mit unserem eigenen Herzen hören.

Antonin Dvořák - Zum Abschied ein Cellokonzert

Während Antonin Dvořák - zu dieser Zeit lebt er in den USA - an seinem Cellokonzert (h moll op.104) arbeitet, erhält er einen Brief von seiner Schwägerin Josefina Kaunitzova, diese sei ernsthaft erkrankt. Wenig später stirbt sie - kurz nachdem er in die Heimat zurückgekehrt ist. 30 Jahre zuvor war Dvořák in seine damals 16-jährige Klavierschülerin verliebt. Sie erwiderte seine Gefühle nicht. Aber Dvořák blieb der Familie verbunden und heirate später Josefines jüngere Schwester Anna. Das Cellokonzert und insbesondere der zweite Satz bringen die Melancholie des Abschieds und der Trauer zum Erklingen.

Die Nachricht von der Erkrankung von Josefina bewegte Dvořák dazu sein bereits früher geschaffenes Lied "Kez duch muj san” (Lass mich allein), das Lieblingslied seiner Schwägerin, als Motiv in den zweiten Satz einzubauen. Als Josefina nach seiner Rückkehr stirbt, bewegt ihn der Verlust seiner Schwägerin, die eigentlich bereits abgeschlossene Arbeit an dem Konzert wieder aufzunehmen. Und lässt auch den dritten und finalen Satz des Konzerts das Lied als Reminisenz  aufgegreifen.

#griefsoundtrack. Grönemeyers Trauerweg

Schon ein paar Tage geht mir dieser Klassiker der Trauerlieder nicht aus dem Kopf. Darum heute als #griefsoundtrack Grönemeyers "Der Weg". Auf dem 2002 erschienen Album Mensch können wir Herbert Grönemeyer ein Stück auf seinem Trauerweg begleiten. Das gesamte Album thematisiert den Verlust seiner Frau (und seines Bruders) im Jahr 1998. Das Lied Der Weg bezeichnet Grönemeyer selbst als  "extrem traurig". Is es auch.

Ich gehe nicht weg Hab' meine Frist verlängert Neue Zeitreise Offene Welt Habe dich sicher In meiner Seele Ich trage dich bei mir Bis der Vorhang fällt

Ein Klassiker der Trauermusik. Nicht zuletzt eines der meist gewünschtesten Lieder auf Begräbnissen. Im Musikvideo dazu segelt er sinnbildhaft alleine durch das stürmische aber wunderschöne (Trauer)Meer, um am Ende am Steg zum Tor zwischen Lebenden und Toten anzulegen. Die Segel abnimmt. Ja und damit der Vorhang fällt.

Zum Weiterlesen:

 

Look at me! Death is real. Songs über und aus dem Leben danach

Die neu erschiene Platte A Crow Looked At Me von Mount Eerie / Phil Elverum ist eine intime, persönliche und sehr nahegehende Auseinandersetzung mit der schweren Krankheit und dem Sterben seiner Frau Geneviève und dem Leben danach. "Zum Heulen schön", wie ein Freund von uns meinte. Sehr roh, sehr direkt. Keine Musik, die man einfach so nebenan hören kann. Vor allem, wenn man seinen Worten zuhört. Die Lieder erzählen die Geschichte der beiden, vor allem in der schwersten Zeit. Viele Lieder richten sich direkt an seine Frau. Es ist so, als würde er durch seine Musik mit ihr weiter sprechen wollen und auch können.

 

Death is real Someone's there and then they're not And it's not for singing about It's not for making into art When real death enters the house, all poetry is dumb When I walk into the room where you were And look into the emptiness instead All Fails

Das Trauma der Erfahrung jemanden, der einem so wichtig ist, auf diesem Weg zu begleiten und nach seinem Tod weiterzuleben, schwingt in den Liedern mit. Die Lieder sind in den ersten Monaten der akuten, frühen, extrem schmerzhaften und dunklen Trauer entstanden. Sie erinnern mich an die totale Schwere der ersten Zeit, in der man noch so mit dem Begreifen beschäftigt ist. Insofern kann das Album für Menschen mit einem sehr nahen Verlust zu aufwühlend und zu nah dran an den eigenen Erfahrungen. Also mit Vorsicht genießen! Auch mir ist das Album bei den ersten Hördurchgängen sehr nahe gegangen und ich habe mich in seiner Traurigkeit wiedergefunden. Interessieren würde mich jedoch, wie es sich für jemanden ohne intensive Trauererfahrung anfühlt. Bekommt man vielleicht sogar ein (besseres) Gefühl dafür, wie es uns Trauerenden in dieser ersten Zeit geht?

Das langsame Begreifen, dass der Tod wirklich den Weg ins eigene Leben gefunden hat. "Death is real". Die wahnsinnige Bedeutungslosigkeit aller Dinge in den Momenten, in denen der Tod so präsent im eigenen Leben ist. Und obwohl es schwierig ist, diese Ausnahmesituation mit Musik und Sprache zu fassen (When real death enters the house, all poetry is dumb), singt er weiter und lässt er uns durch seine Lieder an seinem Leben in den ersten Monaten nach dem Tod seiner Frau teilhaben. Er singt über ein von ihr bestelltes Paket, das erst nach ihrem Tod ankommt. Er singt darüber, wie er ihre letzte Zahnbürste erst Monate später entsorgt. Ach, wie kennen wir das, oder? Immer wieder tauchen auch Blitzlichter aus der letzten Lebensphase seiner Frau auf. Die wiederkehrende und immer körperlich anstrengender werdenden Wege zur Ärztin, und zuletzt auch ihr letzter Atemzug. Und die über den Tod hinausgehende Verbundenheit.

Viel würde sich über jedes einzelne Lied schreiben lassen. Jedes einzelne davon gibt Stoff zum Nachdenken und Nachspüren.

I now wield the power to transform a grocery store aisle into a canyon of pity and confusion and mutual aching to leave. (My Chasm)

 

Zum Weiterlesen:

Auf FM4 wurde das erste Lied der Platte "Death is real" von Philipp L'heritier als Song zum Sonntag vorgestellt: Der große, schwarze Vogel

Der Pitchfork Autor Jayxon Greene hat für einen Artikel einen Tag mit Phil Elverum und seiner Tochter verbracht: Death Is Real: Mount Eerie’s Phil Elverum Copes With Unspeakable Tragedy